Reise

Tag 1

Diagnose Charcot-Fuß

Ein Charcot Fuss ist ein Diabetisches Fußsysndrom. In der allgemeinen weltweiten Diabetes-Population wird die Prävalenz des Charcot-Fußes auf etwa 0,1 % bis 0,56 % geschätz

Am 28.01.2026 erhielt ich im Krankenhaus die Diagnose Charcot-Fuß Stadium I – und mein Leben änderte sich schlagartig. Mein Fuß wurde direkt eingegipst. Zwei Tage später war ich bei meinem Orthopäden, der mir einen Rebound Air Walker verschrieb. Das Krankenhaus selbst hatte mir zuvor einen VacoPed Diabetic Stiefel empfohlen. Dazu später mehr.

Nun saß ich also im Krankenhaus und mein Leben lief wie ein Film an mir vorbei, während die medizinische Angestellte meinen Fuß eingipste. Fragen über Fragen quälten mich:

  • Werde ich jemals wieder normal laufen können?
  • Werde ich für immer orthopädische Schuhe tragen müssen?
  • Kann ich jemals wieder ohne Gehstock gehen?
  • Was mache ich mit den neuen Schuhen im Schrank, die ich noch nie getragen habe?
  • Warum trifft es mich? Ich war doch in einer engmaschigen Kontrolle bei meinem Hausarzt und Diabetologen?!
  • Warum hat das MRT aus dem vergangen Oktober nichts gezeigt?

Bevor ich das alles verarbeiten konnte, riss mich die Angestellte aus meinen Gedanken. Der Gips war fertig. Ich durfte den Fuß auf keinen Fall belasten und sollte mich so schnell wie möglich um die richtige Orthese kümmern. Sie drückte mir ein paar schwarze Gehstützen in die Hand und zeigte mir kurz, wie man damit läuft. Da ich noch nie Krücken benutzt hatte, war das eine völlig neue Welt für mich. Der Oberarzt übergab mir schließlich den Ambulanzbericht und bat um eine Wiedervorstellung zur Kontrolle in sechs Wochen. Also vereinbarte ich an der Rezeption den Termin und stand vor der nächsten Hürde: dem Heimweg.

Man fragte mich, wie ich nach Hause käme. Als ich sagte, dass mein eigenes Auto auf dem Parkplatz stünde, riet man mir dringend davon ab, selbst zu fahren. Versicherungstechnisch gäbe es Probleme, mit einem Gips am Steuer zu sitzen. Aber mein Auto hat ein Automatikgetriebe und der rechte Fuß war gesund – also entschied ich mich, doch selbst nach Hause zu fahren.

Während der 20-minütigen Autofahrt schossen mir all die Gedanken und Tränen durch den Kopf, aus denen mich die Arzthelferin vorher so abrupt herausgerissen hatte. Zu Hause angekommen, fand ich natürlich keinen Parkplatz direkt vor der Tür. Ich saß erst einmal 20 Minuten im Auto und habe einfach nur geheult. Dann die Herausforderung: Ich musste das erste Mal mit Gehstützen ca. 80 Meter bis zur Haustür bewältigen. Für jemanden, der das noch nie gemacht hat, ein schier unglaubliches Unterfangen. Doch das Schlimmste stand mir noch bevor: Ich wohne im ersten Stock. Treppen! Mit Krücken! Ich hatte keine Ahnung wie, aber irgendwie habe ich es geschafft.

Als ich endlich oben ankam und die Wohnung betrat, flüchteten meine beiden Kater beim Anblick der Gehstützen vor Angst. In diesem Moment brach für mich eine Welt zusammen.

Ich rief meine Mama an und weinte einfach nur. Ich kam überhaupt nicht klar. Die Vorstellung, dass mein Fuß nie wieder so aussehen würde wie vorher, dass ich nie wieder normal laufen könnte und das ständige Risiko für Wunden und Geschwüre gaben mir den Rest. Ich legte mich auf die Couch und weinte mich in den Schlaf.

Doch dieser Zustand hielt nicht lange an. Der Alltag forderte mich sofort: Wie füttere ich die Kater? Wie versorge ich mich selbst? Wie soll ich kochen oder einkaufen gehen? Ich brauchte einen Plan – und diesen Plan gab es bereits am nächsten Tag.

Was ich in diesem Moment gerne gewusst hätte (Quick-Tipps)
Der Moment der Diagnose ist ein Schock. Wenn du gerade an diesem Punkt stehst, sind hier drei Dinge, die mir rückblickend geholfen hätten:


Das Autofahren-Dilemma: Auch wenn du ein Automatikgetriebe hast und der „gesunde“ Fuß fährt: Rechtlich ist das eine Grauzone. Die Versicherung kann im Schadensfall die Leistung verweigern, da du mit Gips/Orthese als „eingeschränkt fahrtüchtig“ giltst. Organisiere dir für die erste Zeit lieber einen Fahrdienst oder frage Freunde.


Treppensteigen mit Krücken: Es gibt eine einfache Goldene Regel, um Stürze zu vermeiden: „Gesund geht in den Himmel, krank geht in die Hölle.“
Rauf: Erst das gesunde Bein eine Stufe höher, dann das kranke Bein und die Krücken nachziehen.
Runter: Erst die Krücken und das kranke Bein eine Stufe tiefer, dann mit dem gesunden Bein nachsetzen.


Die Angst der Haustiere: Wundere dich nicht, wenn deine Katzen oder Hunde panisch reagieren. Die klackernden Geräusche der Gehstützen und deine veränderte Körperhaltung verunsichern sie. Stell die Krücken flach auf den Boden, wenn du sitzt, damit sie in Ruhe daran schnuppern können.


Keine Panik vor dem „Nie wieder“: Auch wenn die Ärzte von Geschwüren und bleibenden Schäden sprechen – das ist der Worst Case. Mit der richtigen Entlastung und Geduld ist ein weitgehend normales Leben absolut möglich. Dein Fuß braucht jetzt nur eines: Zeit.

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