Reise
Die Reise mit meinem Charcot Fuß
-
Tag 43
Mittwoch, 11.03.2026: Der Pflegedienst ist da – Hilfe, die keine Hilfe ist Nach langem Warten auf die Post vom Arzt war es heute endlich so weit: Der Pflegedienst hat seinen Dienst aufgenommen. Vereinbart war ein Zeitfenster zwischen 9:00 und 11:00 Uhr morgens sowie 16:00 und 18:00 Uhr nachmittags. Der erste Besuch: Formulare statt Wasser Gegen 9:15 Uhr kam die Pflegekraft. Der Start war professionell: Fotos vom Fuß für die Dokumentation, jede Menge Papierkram und Unterschriften. Ich übergab ihr stolz die korrigierte Verordnung, die gestern endlich im Briefkasten gelandet war. Ich dachte: „Perfekt, ab jetzt wird der Fuß fachgerecht gewaschen und kontrolliert.“ Denkste. Beim Blick auf die Verordnung kam die Ernüchterung.…
-
Tag 41
Montag, 09.03.2026: Ein Schritt zurück, zwei Schritte vor (und ein Brief im Schneckentempo) Der heutige Montag war geprägt von technischer Nachbesserung und einer ordentlichen Portion Bestätigung für mein Bauchgefühl. Das Orthesen-Dilemma: Nächste Runde Wieder einmal stand der Techniker vom Sanitätshaus vor der Tür. Wir mussten der Realität ins Auge blicken: Die Zwei-Schalen-Orthese in ihrem jetzigen Zustand ist für meinen Fuß eher eine Belastung als eine Entlastung. Er hat das Teil nun zum wiederholten Male mitgenommen. Der Plan: Sie wird jetzt konsequent enger gemacht, um den nötigen Halt zu geben, ohne dass der Fuß „schwimmt“ und anschwillt. Am Freitag soll der nächste Versuch starten. Bis dahin bleibt der Vacoped mein treuer…
-
Tag 36
Mittwoch, 04.03.2026: Von Inlinern, Schlaf-Hacks und bürokratischen Mauern Der Tag begann überraschend: Schon am Morgen rief der Techniker an. Er wollte die überarbeitete Zwei-Schalen-Orthese direkt vorbeibringen. Mittags stand er dann mit einer Kollegin vor der Tür – die nächste Runde im „Projekt Maßarbeit“ begann. Die Orthese: Ein ewiges Auf und Ab Beim ersten Anlegen stellten wir fest: Jetzt war plötzlich zu viel Spiel, es war „zu viel Luft“ in der Schale. Der Techniker hatte eine kreative Idee und zauberte einen Inliner aus der Tasche – ein Polster, das normalerweise bei Amputationen genutzt wird, um Volumen auszugleichen. Das Ergebnis? Mit Inliner war die Orthese an der Wade viel zu eng, ohne…
-
Tag 35
Dienstag, 03.03.2026: Ortstermin – Theorie trifft auf geschwollene Realität Heute kam der Techniker erneut vorbei, um sich das „Phänomen“ der Zwei-Schalen-Orthese anzusehen. Er war mit viel Stolz auf sein Handwerk gekommen, doch mein Fuß lieferte ihm heute die harten Fakten. Das Rätsel der Schwellung Ich zeigte ihm die Fotos vom Wochenende und den direkten Vergleich zwischen dem Sitz der Orthese und dem Zustand im Vacoped Diabetic. Der Techniker untersuchte die Druckpunkte der Orthese und musste zugeben: Obwohl die Schale nach Maß gefertigt wurde, scheint sie den Lymphabfluss in meiner speziellen Situation eher zu behindern als zu unterstützen. Es ist das klassische Problem: Die Orthese ist statisch, aber ein Charcot-Fuß ist…
-
Tag 34
Montag, 02.03.2026: Zwischen Reklamation und Systemversagen: Wenn das Handwerk rätselt und die Kasse mauert. Der März beginnt, wie der Februar endete: mit einem Mix aus technischer Ernüchterung und bürokratischem Wahnsinn. Inmitten von Rollstuhl-Alltag und Nullbelastung zeigt sich jetzt immer deutlicher, dass man als Charcot-Patient nicht nur gegen die Krankheit, sondern gegen ein ganzes System kämpft. 1. Die 3.800-Euro-Maßarbeit in der Warteschleife Nachdem mein Fuß in der neuen Zwei-Schalen-Orthesen am Wochenende massiv angeschwollen war, suchte ich am Montag sofort den Kontakt zum Sanitätshaus. Der Techniker reagierte per WhatsApp-Rückruf sichtlich verwundert – eigentlich sollte diese „High-End-Lösung“ das exakte Gegenteil bewirken. Wir haben für morgen einen Termin zur Begutachtung vor Ort vereinbart. Bis…
-
Tag 33
Die größten Enttäuschungen haben ihren Ursprung in zu großen Erwartungen. Sonntag, 01.03.2026: Die 3.800-Euro-Enttäuschung und die Stille der „besten“ Freunde Die letzten zwei Tage habe ich meine neue „Rüstung“, die maßgefertigte Zwei-Schalen-Orthese, pflichtbewusst getragen. Ich wollte, dass es funktioniert. Ich wollte diese High-End-Versorgung als meinen neuen Standard akzeptieren. Doch die Realität an meinem Fuß sprach eine andere Sprache. Das Experiment scheitert Ich wechsle grundsätzlich morgens und abends meine Socken, wasche den Fuß einmal am Tag und mache dabei immer Fotos vom Zustand meines Fußes – eine Routine, die ich jedem Charcot-Patienten nur dringend ans Herz legen kann. Schon am Samstagabend sah ich auf den Bildern: Der Fuß wird dicker. Heute…
-
Tag 31
Das Sein ist nicht so, wie es zu sein scheint. Freitag, 27.02.2026: Die „Rüstung“ ist da – Einzug der Zwei-Schalen-Orthese Heute sollte der große Tag der Endversorgung sein. Der Techniker kam vorbei, um mir das Herzstück meiner weiteren Behandlung zu bringen: die Zwei-Schalen-Orthese. Der Anspruch: Das Beste nach dem Gips Zur Erinnerung: Diese Orthese gilt medizinisch als der absolute Standard direkt hinter dem „Goldstandard“, dem Total Contact Cast (TCC). Das Prinzip ist technisch faszinierend: Da der Fuß weiterhin mit 0 kg belastet werden darf, ist die Orthese so konstruiert, dass sie den Druck vom Fuß wegnimmt und ihn stattdessen über das obere Sprunggelenk (OSG), die Wade und das Schienbein ableitet.…
-
Tag 30
Die wahre Lebenskunst besteht darin, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen. Donnerstag, 26.02.2026: Hausbesuch vom MD – Wenn das Leben in Punkten gemessen wird Heute war der Tag der Wahrheit: Der Medizinische Dienst (MDK) war zur Begutachtung da. Nachdem ich den Pflegeantrag am 06.02. formlos per Brief gestellt hatte, ging es diesmal überraschend schnell – nur zehn Tage später hatte ich den Termin für heute im Briefkasten. Ein Tempo, das ich von den anderen Instanzen bisher nicht kannte. Die Vorbereitung: Mehr als nur Immobil Ich bin kein Typ, der sich unvorbereitet in solche Gespräche stürzt. Mit dem Pflegegrad-Rechner der Verbraucherzentrale hatte ich meine Situation vorab analysiert. Das Ergebnis war eindeutig:…
-
Tag 29
Erfahrungen sind Maßarbeit. Sie passen nur dem, der sie macht. Mittwoch, 25.02.2026: Die 3.000-Euro-Rüstung – Maßarbeit für meinen Fuß Heute war ein großer Termin: Die Anprobe der Zwei-Schalen-Orthese stand an. Wir reden hier nicht von einem Hilfsmittel von der Stange, sondern von einer absoluten Spezialanfertigung, die exakt nach dem Gipsabdruck meines Fußes gebaut wurde. Ein technisches Schwergewicht Allein der bürokratische Aufwand für dieses Teil war enorm, und preislich bewegen wir uns hier in Regionen von 3.000 bis 4.000 Euro. Das zeigt einmal mehr, wie ernst die Lage ist – für einen „einfachen Bruch“ würde die Krankenkasse niemals solch ein Investment genehmigen. Der Techniker kam heute mit dem Rohling vorbei. Die…
-
Tag 24
Freitag, 20.02.2026 Der nächste Papierkrieg: Krankengeld und die Angst vor der „Lücke“ Als ob der Kampf um den Fuß und die Pflege nicht schon genug wäre, meldete sich heute die Krankenkasse zu einem Thema, bei dem man absolut keine Fehler machen darf: Das Krankengeld. Da ich nun über die sechs Wochen Lohnfortzahlung hinaus bin, übernimmt die Versicherung. Das klingt erst einmal gut, bedeutet aber in der Praxis vor allem eines: Bürokratische Disziplin auf höchstem Niveau. Die Spielregeln der VIACTIV Ich musste ein Online-Formular ausfüllen und wurde unmissverständlich über die Bedingungen belehrt. Hier sind die Punkte, die mir jetzt im Nacken sitzen: Existenzangst im Rollstuhl Es ist ein seltsames Gefühl: Man…
-
Tag 23
Die Gier ist das Muttertier vom Goldenen Kalb Donnerstag, 19.02.2026: Endlich die richtige „Rüstung“ – und ein tiefer Blick in den Abgrund der Profitgier Heute stand die erste Kontrolle beim Orthopäden an. Das Ergebnis war ernüchternd: Der Fuß hat sich kaum verändert, sah durch den (falschen) Rebound Air Walker zeitweise sogar schlimmer aus als ganz ohne Maßnahmen. Das Röntgenbild bestätigte den Stillstand. Fazit: Weiterhin krankgeschrieben, weiterhin zum Warten verdammt. Der Anruf der Erlösung Doch dann der Lichtblick am Mittag: Das neue Sanitätshaus rief an. Der VACOped Diabetic Stiefel ist da! Endlich die Versorgung, die das Krankenhaus von Anfang an gefordert hatte. Mein Nachbar hat mich sofort hingefahren – danke nochmal…
-
Tag 21
Das Leben kann nur in der Schau nach rückwärts verstanden, aber nur in der Schau nach vorwärts gelebt werden. Dienstag, 17.02.2026: Gipsabdruck und Paragrafen – Die Suche nach Heilung und Gerechtigkeit Der heutige Tag stand ganz im Zeichen der Planung. Einerseits geht es um die langfristige Stabilisierung meines Fußes, andererseits um die Aufarbeitung der Fehler, die mich überhaupt erst in diese Lage gebracht haben. Die Zwei-Schalen-Orthese: Ein Hoffnungsträger (vorerst) Überraschend schnell kam das grüne Licht (12.02.2026) von der Krankenkasse: Die Zwei-Schalen-Orthese wurde bewilligt. Selbst das Sanitätshaus war erstaunt über das Tempo – normalerweise mahlen die Mühlen der Kassen deutlich langsamer. Mittags war der Techniker bei mir, um den Gipsabdruck zu…
-
Tag 16
Wenn du erfolgreich sein willst, dann sei konsequent! Donnerstag, 12.02.2026: Eigenregie – Wenn das System blockt, helfe ich mir selbst Ich hatte es satt. Satt, wie eine heiße Kartoffel zwischen Diabetologin, Orthopäde und dem ersten Sanitätshaus hin- und hergeschoben zu werden. In meinem Kopf hämmerte nur ein Satz aus dem Krankenhausbericht: „Empfehlung: Vacoped Diabetic Stiefel“. Der aktuelle Air Walker ist für einen Charcot-Fuß einfach nicht das Richtige – er ist kontraproduktiv. Der Versuch: „Ich kauf mir meine Gesundheit einfach“ Heute Morgen habe ich direkt beim Hersteller, der Firma OPED, angerufen. Ich war so verzweifelt, dass ich der Dame am Telefon sagte: „Ich kaufe den Stiefel privat. Ich zahle Ihnen auch…
-
Tag 13
Montag, 09.02.2026: Zwischen Ohnmacht am Telefon und Empathie in der Praxis Das ganze Wochenende hing mir die Kälte der Diabetologin noch in den Knochen. Heute war der Montag, an dem sie sich wegen des Vacoped-Stiefels melden wollte. Ich hatte gehofft, dass sie nachgedacht hat. Doch als das Telefon klingelte, wurde mir schnell klar: Hier geht es nicht um meine Heilung, hier geht es nur noch um Absicherung und Abwehr. Die kalte Schulter: „Nageln Sie mich nicht fest!“ Das Gespräch war eine einzige Katastrophe. Die Ärztin war sofort im Verteidigungsmodus. Die Botschaft: Das Sanitätshaus könne den Vacoped Diabetic nicht liefern. Und damit war das Thema für sie erledigt. Anstatt nach einer…
-
Tag 11
Ein Sicherheitsgurt schränkt die Bewegungsfreiheit längst nicht so ein wie ein Rollstuhl. Samstag, 07.02.2026: Ein Stück Freiheit auf vier Rädern Heute gab es einen Moment, der sich fast wie ein Sieg angefühlt hat: Mein Rollstuhl wurde geliefert. Nach den harten Kämpfen in der Diabetologie und der Sturheit meines Orthopäden hat die Logistik mit dem Sanitätshaus wenigstens reibungslos funktioniert. Ein neues Lebensgefühl (mit Hindernissen) Es klingt vielleicht seltsam, sich über einen Rollstuhl zu freuen, aber für mich bedeutet er gerade eine enorme Erleichterung. Wer noch nie versucht hat, seinen kompletten Alltag auf Krücken und mit strikter 0-kg-Belastung zu meistern, kann sich kaum vorstellen, wie erschöpfend jeder Meter ist. Natürlich ist die…
-
Tag 10
Sie benötigen Passierschein A38… Der bürokratische Abgrund: Wenn Hilfe zum Wartenummer-Spiel wird Heute habe ich den Antrag auf Pflegeleistungen gestellt, so wie es mir mein Arzt geraten hat. Aber je tiefer ich in dieses Thema eintauche, desto fassungsloser macht mich die Logik unseres Pflegesystems. Die Sackgasse „Haushaltshilfe“ Die Haushaltshilfe, die ich für den akuten Fall beantragt habe, ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Sie hilft mir genau einen Monat. Danach? Fällt sie weg. Hier prallen Theorie und Praxis knallhart aufeinander: Ein Charcot-Fuß braucht nicht vier Wochen, sondern viele Monate – oft Jahre –, bis eine vermeintliche „Heilung“ oder zumindest Stabilität eintritt. Die Krankenkassen scheinen sich das alles so einfach…
-
Tag 9
Wer mit dem Kopf durch die Wand will, holt sich nur Beulen. Donnerstag, 05.02.2026: Die Fachleute schalten auf stur – Ein Termin ohne Einsicht Nach dem Gespräch beim Hausarzt dachte ich, es könnte nicht schlimmer werden. Doch heute stand der Termin in der Diabetologie an. Zwei Tage lang hatte ich gegrübelt: Warum wurde mein Fuß in einer Praxis, die sogar eine eigene Fußambulanz hat, monatlich übersehen? Warum reichte mein Humpeln und die deutliche Rötung nicht aus, um die Alarmglocken schrillen zu lassen? Ich hatte mich akribisch vorbereitet. Als die Ärztin meinen Fuß im Rebound Air Walker sah und fragte, was passiert sei, antwortete ich nur: „Das ist ein Charcot-Fuß. Und…
-
Tag 7
Vertrauen wird dadurch erschöpft, dass es in Anspruch genommen wird. Dienstag, 03.02.2026: Die Konfrontation – Wenn das Vertrauen auf dem Prüfstand steht Heute war mein DMP-Termin beim Hausarzt zur Besprechung der aktuellen Laborwerte. Doch die Blutwerte waren heute Nebensache. Eine Freundin fuhr mich zur Praxis und holte mich später wieder ab – ein kleiner Dienst, der in meiner neuen Unselbstständigkeit plötzlich lebenswichtig ist. Ich betrat das Sprechzimmer mit einer brennenden Frage im Kopf: Wie konnte das passieren? Das Gespräch über das Versagen Ich habe meinen Arzt heute ganz direkt und sachlich mit den Fehlern der letzten Monate konfrontiert. Ich wollte Antworten: Seine Reaktion war eine Mischung aus Ratlosigkeit und Rechtfertigung.…
-
Tag 6
Ich habe mir nie vorgenommen, zu schreiben. Ich habe damit angefangen, als ich mir nicht anders zu helfen wusste. Zwischen Verzweiflung und neuem Mut: Mein Tagebuch Das letzte Wochenende war schrecklich. Ich habe sehr viel geweint. Am Samstag kam eine Freundin vorbei; wir haben zusammen geweint, aber auch zusammen gelacht. Doch als sie weg war, kam die Traurigkeit sofort zurück. Diese Ungewissheit macht einen einfach fertig. Natürlich habe ich das gesamte Wochenende im Internet verbracht, um mehr Informationen über den Charcot-Fuß zu finden – Erfahrungsberichte, Studien, irgendetwas. Aber echte Infos sind Mangelware. Viele Webseiten schreiben nur voneinander ab. Wirkliche Berichte „aus dem Leben“, so wie ich sie hier schreibe, findet…
-
Tag 3
Was geht denn hier ab? Freitag, 30.01.2026: Das System versagt, der Mensch hilft – und die Angst zieht ein Nach einer schrecklichen Nacht mit kaum Schlaf war mein Kopf wie vernebelt. Der Plan für heute: Irgendwie zum Orthopäden kommen. Er hatte zum Glück mitgedacht und mir schon am Dienstag einen Termin gegeben, weil er ahnte, dass ich heute eine Orthese brauchen würde. Da ich kein Auto fahren soll und niemanden erreichen konnte, bestellte ich mir ein Uber. Einsteigen, den Gips vorsichtig reinmanövrieren, ankommen. Die erste Hürde im Wartezimmer Ich saß kaum im Wartebereich, als die Mitarbeiterin des Sanitätshauses hereinkam. Sie sah meinen Gips, warf einen kurzen Blick darauf und bog…
-
Tag 2
Die Neuerkrankungsrate (Inzidenz) eines Charcot-Fuß wird in einigen Studien auf etwa 7,4 bis 8,5 Fälle pro 10.000 Personen mit Diabetes pro Jahr beziffert. Der nächste Morgen … Das Erste, was ich tat: Ich habe mich direkt bei meinem Arbeitgeber krankgemeldet. Vom Krankenhaus hatte ich im Eifer des Gefechts keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) erhalten – ich hatte zwar kurz nachgefragt, es dann aber im Trubel wieder vergessen. Eine E-Mail an das Krankenhaus blieb bis dahin unbeantwortet. Da ich zum Glück sogenannte Karenztage habe, kann ich problemlos drei Tage ohne ärztliches Attest fehlen. Mein Termin beim Orthopäden war ohnehin für den nächsten Tag (Freitag) angesetzt; er würde mich dann sicher krankschreiben. Überraschenderweise rief…
-
Tag 1
Diagnose Charcot-Fuß Ein Charcot Fuss ist ein Diabetisches Fußsysndrom. In der allgemeinen weltweiten Diabetes-Population wird die Prävalenz des Charcot-Fußes auf etwa 0,1 % bis 0,56 % geschätz Am 28.01.2026 erhielt ich im Krankenhaus die Diagnose Charcot-Fuß Stadium I – und mein Leben änderte sich schlagartig. Mein Fuß wurde direkt eingegipst. Zwei Tage später war ich bei meinem Orthopäden, der mir einen Rebound Air Walker verschrieb. Das Krankenhaus selbst hatte mir zuvor einen VacoPed Diabetic Stiefel empfohlen. Dazu später mehr. Nun saß ich also im Krankenhaus und mein Leben lief wie ein Film an mir vorbei, während die medizinische Angestellte meinen Fuß eingipste. Fragen über Fragen quälten mich: Bevor ich das…
-
Tag -1
Bei frühzeitiger Erkennung des Krankheitsbildes, wenn noch keine vollständigen Gelenk- oder Knochenbrüche vorliegen, führt die sofortige und dauerhafte Ruhigstellung und Entlastung des betroffenen Fußes zur Rückbildung des Entzündungsprozesses und vermeidet, dass der Fuß nennenswert deformiert wird. Heute ist Dienstag, 27.01.2026. Eigentlich ein ganz normaler Tag im Homeoffice. Während ich arbeitete, wartete ich gespannt auf den MRT-Befund von gestern. Als er gegen Mittag eintraf, folgte der Schock: Für einen Laien wie mich liest sich so ein Bericht beängstigend – ich las immer wieder das Wort „Frakturen“ (Knochenbrüche). Ich unterbrach sofort meine Arbeit und fuhr mit dem Fahrrad zu einem Durchgangsarzt (Orthopäde). Vor der Praxis empfing mich eine lange Schlange; insgesamt wartete…
-
Tag -2
Der Charcot-Fuß ist im Anfangsstadium nur schwer zu erkennen. Montag, 26.01.2026: Die Routine vor dem Sturm Heute steht eine Verlaufskontrolle meines Fußes an. Er ist nach wie vor geschwollen und deutlich gerötet – wir müssen endlich herausfinden, was dahintersteckt. Schon Anfang des Jahres hatte ich meinen Arzt um ein Kontroll-MRT gebeten. Damals fragte ich ihn auch, ob ich reisefähig sei, was er mit einem klaren „Ja“ beantwortete. Also machte ich mich mittags auf den Weg zu meinem Termin. Die Prozedur im MRT-Zentrum ist mir mittlerweile bestens bekannt; erst im Oktober 2025 lag ich für denselben Fuß in dieser Röhre. Das übliche Protokoll: Schuhe ausziehen, alle Gegenstände aus den Taschen leeren,…
-
Tag -16
Damit hatte keiner gerechnet. Montag, 12.01.2026: Reiseplanung im Schatten der Schwellung – 16 Tage bis zum Knall Zwischen den Lymphdrainage Terminen stand heute wieder ein Routine-Termin bei der medizinischen Fußpflege an. Es ist fast schon Routine geworden: Ich ziehe den schwarzen Kompressionsstrumpf aus, und zum Vorschein kommt mein linker Fuß. Unverändert rot, unverändert geschwollen. Ein Bild, an das wir uns in dieser Praxis anscheinend alle gewöhnt haben. Es gab keine großen fachlichen Diskussionen mehr über den Zustand des Gewebes. Stattdessen unterhielten wir uns über etwas viel Schöneres: Meinen anstehenden Asien-Urlaub. Der Segen des Arztes Ich erzählte meiner Podologin voller Vorfreude, dass ich Mitte Februar für drei Wochen wegfliege. „Der Hausarzt…
-
Tag -22
Man muss immer etwas haben, worauf man sich freut. Dienstag, 06.01.2026: Reisepläne und ein Funken Misstrauen – 22 Tage bis zum Knall Das neue Jahr hat begonnen, und mit ihm die Hoffnung, die gesundheitlichen Altlasten von 2025 endlich hinter mir zu lassen. Weihnachten und Silvester haben wir trotz allem gefeiert, auch wenn der Kompressionsstrumpf unter dem Tannenbaum mein ständiger Begleiter war. Inzwischen habe ich unzählige Lymphdrainage-Termine absolviert – eine endlose Routine aus Drücken, Ausstreichen und Hoffen. Heute saß ich wieder bei meinem Hausarzt, eigentlich nur, um mir eine neue Heilmittelverordnung für die Lymphdrainage zu holen. Doch ein Thema lag mir besonders am Herzen: Asien. „Uneingeschränkt reisefähig“ Mitte Februar soll es…
-
Tag -62
Ausgetretene Pfade sind die sichersten, aber es herrscht viel Verkehr. Donnerstag, 27.11.2025: Alltag in der Warteschleife – Zwischen Lymphdrainage und Podologie Mein Terminkalender ist inzwischen fest getaktet. Zweimal pro Woche liege ich bei der Lymphdrainage, in der Hoffnung, dass der Druck aus meinem Gewebe schwindet. Und heute stand zusätzlich wieder ein Termin bei der medizinischen Fußpflege an. Es ist eine seltsame Routine eingekehrt. Ich ziehe im Behandlungsraum den Kompressionsstrumpf aus, und da liegt er: Mein linker Fuß. Immer noch deutlich geschwollen, immer noch rot verfärbt. Ein Anblick, der eigentlich nach Antworten schreit. Das große Schweigen Doch in der Praxis meiner Podologin herrscht Schweigen zu diesem Thema. Es gab keine weiteren…
-
Tag -83
Den Baum vor lauter Wäldern nicht sehen… Donnerstag, 06.11.2025 – Wenn die Geduld zur Last wird Heute ist Donnerstag, der 6. November. Draußen wird es ungemütlich, der Herbst ist voll da. Mein linker Fuß? Unverändert. Er ist immer noch dick, immer noch rot, immer noch fremd. Es stand mein Routine-Termin in der diabetologischen Praxis an. In meiner Welt war eigentlich alles „unter Kontrolle“: Das MRT vom Vormonat hatte (scheinbar) Entwarnung gegeben, die Lymphdrainage lief und ich trug meine neuen Kompressionsstrümpfe. Doch dieser Termin wurde zu einer Lektion darüber, wie gefährlich Routine sein kann. Der Ablauf war Standard: Blutdruck, Gewicht, die Frage nach dem HbA1c. Meine Füße wurden diesmal nicht vorab…
-
Tag -85
Die Folgen sind nicht absehbar, wenn man folgenschwere Entschlüsse fasst. Dienstag, 04.11.2025: Termin beim Hausarzt – Das Schweigen der Werte Heute war ich erneut bei meinem Hausarzt zur Besprechung der Laborwerte vom 29.10.2025. Ich hatte mir von diesem Termin viel erhofft. In meinem Kopf war die Logik einfach: Der Fuß ist seit Wochen rot und geschwollen – das Blutbild muss doch jetzt endlich die Antwort liefern. Ich saß im Sprechzimmer und wies den Arzt noch einmal eindringlich auf meinen Fuß hin. „Er wird einfach nicht dünner. Die Rötung bleibt, die Hitze im Gewebe auch.“ Ich wollte eine Erklärung, warum all die Lymphdrainagen und die Schiene bisher keinen Durchbruch brachten. Die…
-
Tag -93
Es bleibt alles beim alten… Montag, 27.10.2025: Routine trotz Alarmzeichen – Ein weiterer Termin bei der Podologin Obwohl mein linker Fuß nach wie vor stark angeschwollen und deutlich gerötet war, war es für mich keine Frage: Der Termin bei der medizinischen Fußpflege wurde wahrgenommen. Gerade als Diabetiker weiß ich, wie überlebenswichtig es ist, die Füße professionell pflegen zu lassen und kein Risiko einzugehen. In der Praxis angekommen, war die Schwellung natürlich das erste, was ins Auge fiel. Doch seltsamerweise sprachen wir an diesem Tag gar nicht groß über die Rötung oder den Zustand des Gewebes. Ich war innerlich völlig ruhig und machte mir keine weiteren Sorgen. Warum auch? In meinem…
-
Tag -100
Beim Warten lernt man die Geduld. Immer wieder neu. Montag, 20.10.2025: Das „Rundum-Sorglos-Paket“ – und trotzdem keine Besserung Heute war wieder Montag. Das hieß für mich: Ab zur Lymphdrainage. Inzwischen fühlte sich das fast schon wie ein kleiner Teilzeitjob an. Ich lag dort auf der Liege, der Therapeut arbeitete an meinem geschwollenen, roten Fuß, und wir unterhielten uns über dies und das. Die Aircast-Schiene lag griffbereit daneben. Es fühlte sich alles so… normal an. Aber genau das war das Problem. Das nächste Puzzleteil: Die Kompressionsstrümpfe Nach der Therapie hatte ich noch einen weiteren Termin auf dem Zettel: Ich konnte endlich meine maßangefertigten Kompressionsstrümpfe im Sanitätshaus abholen. Mein Hausarzt hatte mir…
-
Tag -107
Es kommt der Tag, an dem du wieder richtig lachen kannst. Montag, 13.10.2025: Startschuss für die Lymphdrainage – Die Hoffnung auf Entlastung Nachdem mein Hausarzt mir das Rezept ausgestellt hatte, geschah das kleine „Termin-Wunder“: Ich habe in kürzester Zeit eine Physiotherapiepraxis gefunden, die sofort Kapazitäten frei hatte. Heute war es also so weit – mein erster Termin zur manuellen Lymphdrainage. Der Ablauf war von nun an meine neue Routine: Schuh aus, die Aircast-Schiene zur Seite legen und rauf auf die Behandlungsliege. Der Anblick meines Fußes war unverändert – rot, deutlich geschwollen und prall. Der Masseur begann mit den sanften, rhythmischen Griffen, um die gestaute Lymphflüssigkeit aus dem Gewebe zu transportieren.…
-
Tag -113
Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Dienstag, 07.10.2025: Der Befund ist online – Ein Aufatmen an der falschen Stelle Der Arztbesuch am Morgen: Mein Kampf gegen die Schwellung Noch bevor ich den MRT-Bericht im Online-Portal einsehen konnte, saß ich morgens erneut bei meinem Hausarzt im Sprechzimmer. Der Anblick meines Fußes ließ mir keine Ruhe: Er war immer noch deutlich geschwollen, gerötet und fühlte sich „gestaut“ an. Ich wollte nicht mehr nur abwarten und Schmerzmittel schlucken. Ich wollte aktiv etwas gegen diese Schwellung unternehmen. Deshalb sprach ich meinen Hausarzt gezielt auf Manuelle Lymphdrainage an. Meine Hoffnung war, dass wir den angestauten Druck im Gewebe so mechanisch lindern könnten. Mein Hausarzt…
-
Tag -114
Ich habe zwar nicht alles gesehen, aber ich habe alles gesehen, was ich sehen wollte. Montag, 06.10.2025: Das erste MRT – Ein Blick in die falsche Richtung? Es ist so weit: Der Termin für das MRT steht an. Ich bin kein Neuling mehr, was diese Geräte betrifft; erst im Frühjahr/Sommer war ich wegen einer anderen Sache in der „Röhre“. Wer das zum ersten Mal erlebt, findet den Raum und das laute Klopfen oft furchteinflößend, aber für mich war es an diesem Tag fast schon Routine. Der Ablauf war zügig: 15 Minuten im Wartezimmer, dann der Aufruf. In der Kabine hieß es: Schuhe aus, alles Metallische ablegen. Dann legte ich mich…
-
Tag -118
Wer wagt selbst zu denken, der wird auch selber handeln. Eigeninitiative: Wenn die Bandage zur Qual wird Anfang Oktober merkte ich: So geht es nicht weiter. Meine bisherige Sprunggelenks-Bandage, die ich seit dem Umknicken im August treu getragen hatte, wurde durch die zunehmende Schwellung zum Problem. Sie schnürte meinen Fuß regelrecht ab, was bei Diabetes und Durchblutungsfragen absolut gefährlich sein kann. Ich wusste, ich brauchte etwas Stabiles, das den Fuß stützt, aber nicht quetscht. Also setzte ich am 02.10.2025 eine Mail an meine Hausarztpraxis auf: Betreff: Rezeptanfrage Aircast-Schiene / Entlastung OSG Hallo zusammen, da meine Verletzung am Sprunggelenk nun seit Wochen besteht und der Fuß mittlerweile so stark angeschwollen ist,…
-
Tag -121
Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu belassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert. Montag, 29.09.2025: Termin bei der Podologin – Warten auf das MRT Heute stand wieder mein routinemäßiger Termin zur medizinischen Fußpflege an. Für uns Diabetiker ist dieser Termin alle paar Wochen heilig, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen. Doch heute war es unübersehbar: Mein linker Fuß war immer noch massiv dick und geschwollen. Meine Podologin warf einen besorgten Blick darauf und fragte sofort nach dem aktuellen Stand. „Immer noch so geschwollen? Was sagen die Ärzte?“ Ich erklärte ihr, dass die Schwellung hartnäckig bleibt, ich aber zum Glück in wenigen Tagen – am…
-
Tag -135
Sorge Dich gut um Deinen Körper. Es ist der einzige Ort, den Du zum Leben hast. Der nächste Kontrolltermin: Endlich die Überweisung zum MRT Vier Wochen waren seit dem Umknicken im Gym vergangen. Normalerweise kenne ich das so: Man knickt um, es schwillt an, und nach spätestens 14 Tagen ist der Spuk vorbei. Doch diesmal war alles anders. Mein Fuß war immer noch rot, dick und passte kaum noch vernünftig in meinen Schuh. Die Sorge wuchs: Was zur Hölle ist da los? Ich saß also erneut bei meinem Hausarzt im Behandlungszimmer. Er schaute sich den Fuß noch einmal an und sah ein, dass wir mit „Abwarten“ nicht weiterkommen. Er stellte…
-
Tag -156
Abwarten und Tee trinken hilft nur gegen Durst, nicht gegen Tatsachen. Montag, 25.08.2025: Der Hausarzt-Termin – Wenn „Abwarten“ zur Falle wird Eigentlich war es ein ganz gewöhnlicher Routinetermin bei meinem Hausarzt. Es ging um die Besprechung meiner aktuellen Blutwerte, die Kontrolle des Blutdrucks und das Ausstellen der entsprechenden Folgerezepte. Alles Routine, alles stabil. Doch heute hatte ich ein zweites, viel dringenderes Anliegen: meinen linken Fuß. Seit dem Umknicken im Gym am 11.08.2025 waren nun genau zwei Wochen vergangen. Ich erklärte meinem Arzt die Situation: Dass ich seit dem Unfall konsequent die Malleo-Bandage für das obere Sprunggelenk trage, aber absolut keine Besserung eintritt. Im Gegenteil: Das Gelenk schwoll einfach nicht ab,…
-
Tag -160
Die Ruhe vor dem Sturm ist wie die Stille vor dem Donner. Sie ist eine Warnung, dass etwas Gewaltiges bevorsteht. Donnerstag, 21.08.2025: Der 3-Monats-Check – Erste Warnsignale am Fuß Heute stand mein routinemäßiger Quartalstermin in der diabetologischen Schwerpunktpraxis an. Eigentlich Routine: Blutdruck messen, Gewicht kontrollieren, das obligatorische Gespräch über die Werte. Wie immer wurden auch meine Füße inspiziert. Dabei fiel der medizinischen Fachangestellten (MFA) sofort etwas auf: Mein „Zeigezeh“ (direkt neben dem großen Onkel) war am Nagel blutunterlaufen, und der gesamte vordere Fußbereich wies eine leichte Rötung und Schwellung auf. Sie fragte mich direkt: „Was haben Sie denn da gemacht? Ist das etwa gebrochen?“ Ich erzählte ihr von meinem Missgeschick…
-
Tag -170
Man sagt, dass etwas so Kleines wie der Flügelschlag eines Schmetterlings letztendlich einen Taifun am anderen Ende der Welt auslösen kann Montag, 11.08.2025: Der Tag, an dem alles begann Ein ganz normaler, routinemäßiger Montag. Draußen ist es sommerlich warm. Ich bin früh aufgestanden, um im Homeoffice in den Tag zu starten, und freue mich eigentlich nur auf eines: das Gym am Abend. Seit November 2023 ziehe ich mein Training konsequent durch – montags, mittwochs und freitags. Ich habe in dieser Zeit beachtliche Fortschritte gemacht und spüre, wie gut mir der Sport nicht nur körperlich, sondern vor allem mental tut. Zwei Stunden lang tauche ich ab, habe die Kopfhörer auf, höre…