Reise

Tag 2

Die Neuerkrankungsrate (Inzidenz) eines Charcot-Fuß wird in einigen Studien auf etwa 7,4 bis 8,5 Fälle pro 10.000 Personen mit Diabetes pro Jahr beziffert.

Der nächste Morgen … Das Erste, was ich tat: Ich habe mich direkt bei meinem Arbeitgeber krankgemeldet. Vom Krankenhaus hatte ich im Eifer des Gefechts keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) erhalten – ich hatte zwar kurz nachgefragt, es dann aber im Trubel wieder vergessen. Eine E-Mail an das Krankenhaus blieb bis dahin unbeantwortet. Da ich zum Glück sogenannte Karenztage habe, kann ich problemlos drei Tage ohne ärztliches Attest fehlen. Mein Termin beim Orthopäden war ohnehin für den nächsten Tag (Freitag) angesetzt; er würde mich dann sicher krankschreiben.

Überraschenderweise rief mich mein Orthopäde sogar schon am Donnerstagmittag an, um sich zu erkundigen, was das Krankenhaus gesagt hatte.

Ein kurzer Rückblick zur zeitlichen Einordnung:

Um die Abläufe besser zu verstehen, nenne ich den Tag der Diagnose Tag 1. Die Tage davor werde ich mit Tag minus (-) beziffern. Wenn ich also von Tag -2 spreche, meine ich zwei Tage vor der eigentlichen Diagnose.

  • Tag -2: Ich war mit dem Fuß im MRT.
  • Tag -1: Ich erhielt den MRT-Befund. Darin war überwiegend von Frakturen die Rede, der Rest klang für mich wie Kauderwelsch. Ich fragte die KI „Gemini“ von Google um Rat. Diese erklärte mir verständlich, dass ich eine schwere Mittelfußfraktur hätte und dringend zum Arzt müsse.
  • Tag -1 (nachmittags): Ich ging direkt zum Durchgangsarzt (der auch Orthopäde ist). Er fertigte ein Röntgenbild an, wollte sich aber mit einer zweiten Meinung absichern und schickte mich für den nächsten Tag ins Krankenhaus.
  • Tag 1 (Diagnose-Tag): Das Krankenhaus stellte die Diagnose Charcot-Fuß (die Kurzfassung dazu folgt später noch ausführlicher).

Nun also Tag 2: Der Orthopäde rief an und fragte nach dem Ergebnis aus der Klinik. Als ich ihm sagte, dass das Krankenhaus einen Charcot-Fuß diagnostiziert hatte, meinte er nur: „Das habe ich mir fast schon gedacht.“ Er bat mich, am nächsten Tag wie vereinbart zum Termin zu kommen, damit wir direkt die Versorgung mit einer Orthese in die Wege leiten können.

Und dann habe ich meinen Plan umgesetzt. Zum Glück habe ich eine tolle Nachbarschaft, auf die ich mich verlassen kann. Ich habe meine Nachbarin gefragt, ob sie mir im Haushalt und bei der Versorgung der Kater helfen kann – und sie hat sofort zugesagt. Dann habe ich eine Freundin gefragt, ob Sie mich zum Orthopäden fahren kann. Auch das war möglich, nur die Abholung musste ich über Uber lösen.

Zudem habe ich mir fest notiert, dass ich morgen beim Orthopäden unbedingt nach einem Attest für eine Haushaltshilfe fragen muss. Wenn man allein lebt und den Fuß absolut nicht belasten darf, ist professionelle Unterstützung oft die einzige Möglichkeit, den Alltag zu bewältigen. Zudem brauche ich doch einen Rollstuhl, sonst schaffe ich es nicht, die 0 kg Belastung einzuhhalten.

Ich hab also eine Checkliste mit Fragen und Hinweisen für den Orthopäden gemacht:

  • Transport-/Taxischein
  • Rollstuhl
  • Badewannenbrett
  • Thrombosespritzen
  • AU -> Wie lange ist diese direkt möglich?
  • Kann ich mit der Orthese duschen? Muss die Orthese immer getragen werden?

…zum Abend hin hab ich mal wieder viel geweint und mich meinem Schicksal ergeben. Hab mit meiner Mama telefoniert, hab mal wieder gedacht, das das alles nicht wahr sein kann und warum ich das jetzt bekommen habe. Ich war weiterhin am Boden zerstört…

Ich schlief diese Nacht wieder schlecht….so wie alle Nächte danach bis heute (20.03.2026), weil man nun mit einer Orthese nicht gut schlafen kann.

💡 Meine Tipps für das Diagnose-Chaos (AU & Befunde)

Wenn man plötzlich mit einer Diagnose wie dem Charcot-Fuß konfrontiert wird, vergisst man vor lauter Schock oft die wichtigsten Formalitäten. Hier ist, was ich daraus gelernt habe:

  • Die AU-Falle im Krankenhaus: Krankenhäuser stellen bei einer ambulanten Diagnose oft keine automatische Krankschreibung (AU) für den Arbeitgeber aus. Wichtig: Frag direkt nach einer „Bescheinigung über den Krankenhausaufenthalt“ oder einer Erstbescheinigung. Wenn das vergessen wurde, geh am nächsten Werktag sofort zu deinem Hausarzt oder Orthopäden, um die Lücke zu schließen.
  • Befunde „übersetzen“: Medizinische Berichte klingen oft wie eine Fremdsprache. Tools wie Google Gemini oder spezialisierte Portale (z. B. Befunddolmetscher.de) können dir helfen, das „Kauderwelsch“ (wie Mittelfußfraktur oder Ödem) in verständliches Deutsch zu übersetzen. Aber Achtung: Nutze das nur zur Orientierung und besprich das Ergebnis immer mit deinem Arzt!
  • Zeitstrahl führen: Da die Diagnose beim Charcot-Fuß oft eine Odyssee durch verschiedene Praxen ist, fang sofort an, die Tage zu dokumentieren (Tag -2: MRT, Tag 1: Diagnose etc.). Das hilft dir enorm, wenn du später Anträge bei der Krankenkasse stellst oder einem neuen Arzt deine Geschichte erklärst.
  • Zweitmeinung einholen: Mein Orthopäde wollte eine zweite Meinung aus dem Krankenhaus – das war goldrichtig! Bei Verdacht auf Charcot-Fuß ist es immer besser, einen Spezialisten (Fußchirurgie oder technische Orthopädie) drüberschauen zu lassen.

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