Reise

Tag -113

Dienstag, 07.10.2025: Der Befund ist online – Ein Aufatmen an der falschen Stelle

Der Arztbesuch am Morgen: Mein Kampf gegen die Schwellung

Noch bevor ich den MRT-Bericht im Online-Portal einsehen konnte, saß ich morgens erneut bei meinem Hausarzt im Sprechzimmer. Der Anblick meines Fußes ließ mir keine Ruhe: Er war immer noch deutlich geschwollen, gerötet und fühlte sich „gestaut“ an.

Ich wollte nicht mehr nur abwarten und Schmerzmittel schlucken. Ich wollte aktiv etwas gegen diese Schwellung unternehmen. Deshalb sprach ich meinen Hausarzt gezielt auf Manuelle Lymphdrainage an. Meine Hoffnung war, dass wir den angestauten Druck im Gewebe so mechanisch lindern könnten.

Mein Hausarzt stimmte zu und stellte mir direkt die Verordnung aus.

Ein Rezept mit zwei Seiten

Einerseits war ich froh, endlich eine Behandlung zu bekommen, die sich „richtig“ anfühlte – weg von den Tabletten, hin zur direkten Hilfe am Fuß. Andererseits weiß ich heute: Bei einem aktiven Charcot-Prozess ist eine Lymphdrainage zwar gut gemeint, aber sie bekämpft nur das Wasser im Gewebe, während der Knochen darunter im wahrsten Sinne des Wortes zerbröselt.

Mit dem Rezept in der Hand verließ ich die Praxis. Ich fühlte mich an diesem Vormittag gut aufgestellt:

  1. Die Aircast-Schiene zur Stabilität.
  2. Das Ibuprofen gegen die Entzündung.
  3. Die Lymphdrainage gegen die Schwellung.
  4. Und der MRT-Befund (der wenig später online kam), der mir scheinbar sagte: „Keine Brüche“.

Ich dachte: „Jetzt habe ich ein Rundum-Sorglos-Paket. In zwei Wochen ist der Fuß wieder dünn.“ Dass ich mich zu diesem Zeitpunkt in einer gefährlichen Scheinsicherheit befand, sollte mir erst viel später klar werden.

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Nach dem Arztbesuch saß ich wieder im Homeoffice. Immer wieder aktualisiere ich die Seite des Online-Portals der Radiologie. Dann ist er da: Der Befundbericht.

Mein Herz klopft ein bisschen schneller, während ich das PDF öffne. Ich überfliege die Zeilen und bleibe an den entscheidenden Wörtern hängen: „Intakt“, „Kein Nachweis von Frakturen“, „Intakte Achillessehne“.

Mein erster Gedanke: „Ein Glück, nichts kaputt!“

Ich atme tief durch. In meinem Kopf macht es Klick. Die Sorge, dass beim Umknicken im Gym im August doch etwas Ernsthaftes passiert sein könnte, fällt in diesem Moment von mir ab. Wenn die Bänder heil sind und die Knochen im Sprunggelenk keine Brüche zeigen, kann es ja so schlimm nicht sein, oder?

Die Fachbegriffe wie Tendovaginitis (Sehnenscheidenentzündung) klingen für mich in diesem Augenblick eher wie eine Bestätigung: „Siehst du, Dennis, es ist nur eine hartnäckige Entzündung. Die Ibus vom Hausarzt werden das schon richten.“

Die Zyste? Nur eine Randnotiz.

Dass da etwas von einer 11 mm großen Zyste im Kahnbein stand, nahm ich zwar wahr, aber es beunruhigte mich nicht weiter. „Zyste“ klingt für einen Laien oft nach einer harmlosen Kleinigkeit – wie eine kleine Blase, die da halt ist. Dass genau dieser Knochen (das Os naviculare) im Mittelfuß einer der zentralen Punkte beim späteren Zusammenbruch meines Fußes sein würde, konnte ich nicht ahnen.

Das fatale Fazit des Tages

Ich schloss das Browserfenster und dachte: „Alles klar, Geduld ist gefragt. Die Entzündung braucht halt Zeit.“ Ich fühlte mich bestätigt, die Aircast-Schiene weiter zu tragen und meine Arbeit im Homeoffice fortzusetzen. Aus heutiger Sicht weiß ich: Dieser Bericht war kein „Persilschein“, sondern ein unvollständiges Bild. Er gab mir die Sicherheit, den Fuß weiter zu belasten – eine Sicherheit, die mich am Ende teuer zu stehen kommen sollte.

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Der Bericht:

Erstvorstellung im hiesigen Institut.
Kein Nachweis eines Osteoödems. Intaktes Deltaband. Intakte vordere und hintere Syndesmose. Intaktes Außenband. Zyste im Os naviculare mit einer Größe von 11 mm. Vermehrte Flüssigkeitseinlagerung entlang der Tibialis anterior Sehne bei möglicher Tendovaginitis. Intakte Achillessehne.


Der MRT-Befund vom 07.10.2025 auf Deutsch:

Stell dir vor, ein Mechaniker schaut sich nur das obere Scharnier einer Tür an, während unten das Holz verfault. Genau das ist hier passiert. Hier ist die Übersetzung der Fachbegriffe:

Intakte Achillessehne: Auch hier: „Alles bestens.“

Kein Nachweis eines Osteoödems: Das ist der wichtigste Punkt. Ein Ödem ist eine Flüssigkeitsansammlung im Knochen (oft ein Vorbote für Brüche). Hier hieß es: „Die Knochen im Sprunggelenk sehen stabil aus.“ (Da man aber nicht im Mittelfuß geschaut hat, blieb das eigentliche Problem unsichtbar).

Intaktes Deltaband / Syndesmose / Außenband: Das sind die Bänder, die deinen Fuß stabilisieren. Die Diagnose lautet: „Alle Bänder sind heil. Nichts gerissen, nichts angerissen.“

Zyste im Os naviculare (11 mm): Das Os naviculare ist das Kahnbein (ein Knochen im Mittelfuß). Eine Zyste ist ein kleiner Hohlraum. 11 mm ist schon eine ordentliche Größe. Hier gab es also einen ersten Hinweis auf eine Veränderung im Knochen, der aber als Nebenbefund abgetan wurde.

Vermehrte Flüssigkeitseinlagerung / Tendovaginitis: Das ist eine Sehnenscheidenentzündung an der vorderen Schienbeinsehne. Das erklärt die Schwellung und Rötung oberflächlich, aber es war nur ein Symptom, nicht die Ursache.

Diesen Befund könnte man so zusammenfassen:

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