Reise

Tag -83

Donnerstag, 06.11.2025 – Wenn die Geduld zur Last wird

Heute ist Donnerstag, der 6. November. Draußen wird es ungemütlich, der Herbst ist voll da. Mein linker Fuß? Unverändert. Er ist immer noch dick, immer noch rot, immer noch fremd.

Es stand mein Routine-Termin in der diabetologischen Praxis an. In meiner Welt war eigentlich alles „unter Kontrolle“: Das MRT vom Vormonat hatte (scheinbar) Entwarnung gegeben, die Lymphdrainage lief und ich trug meine neuen Kompressionsstrümpfe. Doch dieser Termin wurde zu einer Lektion darüber, wie gefährlich Routine sein kann.

Der Ablauf war Standard: Blutdruck, Gewicht, die Frage nach dem HbA1c. Meine Füße wurden diesmal nicht vorab untersucht. Dieser gründliche Check mit Stimmgabel und Sensibilitätstest findet gefühlt ohnehin nur alle sechs Monate statt. Da ich meine aktuellen Laborwerte vom 29.10.2025 erst zwei Tage zuvor vom Hausarzt erhalten hatte, gab ich sie direkt in der Praxis ab.

Die stummen Zeugen im Blutbild

Während der Besprechung schaute sich die Diabetologin zwar meine TIR (Time in Range) an, aber meine Laborwerte erwähnte sie mit keinem Wort. Dabei standen dort schwarz auf weiß die Indikatoren für das, was in meinem Fuß gerade passierte:

  • Alkalische Phosphatase (AP): 149 U/l (Referenzbereich bis 120). Dieser Wert ist ein klassischer Marker für erhöhten Knochenstoffwechsel.
  • Blutkörperchensenkung (BSG): 22 mm/h (Referenzbereich < 15). Ein klarer Hinweis auf eine aktive Entzündung im Körper.
  • Leukozyten: 11.8 Tsd/µl (Referenzbereich bis 10.9). Auch hier: Die Abwehrzellen waren bereits in Alarmbereitschaft.

Diese Werte waren die Hilfeschreie meines Körpers. Sie sagten: „Hier wird gerade Knochen umgebaut und es brennt!“. Doch die Diabetologin ignorierte sie einfach. Stattdessen begutachtete sie nur meinen Kompressionsstrumpf.

Das fatale Desinteresse

Ich sagte ihr noch einmal explizit, dass der Fuß weiterhin rot und geschwollen ist und ich nun zusätzlich zweimal die Woche zur Lymphdrainage gehe. Sie reagierte schlichtweg nicht darauf. Keine Untersuchung, kein Hinterfragen der Schwellung trotz der auffälligen Werte.

Ich verließ die Praxis mit dem Gefühl, „gut eingestellt“ zu sein (mein HbA1c lag immerhin bei stabilen 7,0% ), während mein Mittelfuß im Stillen zerfiel. Ein fataler Irrtum, gestützt durch das Schweigen der Experten. Es blieben noch genau 83 Tage, bis die Wahrheit über meine zerstörten Knochen nicht mehr zu ignorieren war.


Eine Antwort schreiben