Tag -100
Beim Warten lernt man die Geduld. Immer wieder neu.
Montag, 20.10.2025: Das „Rundum-Sorglos-Paket“ – und trotzdem keine Besserung
Heute war wieder Montag. Das hieß für mich: Ab zur Lymphdrainage. Inzwischen fühlte sich das fast schon wie ein kleiner Teilzeitjob an. Ich lag dort auf der Liege, der Therapeut arbeitete an meinem geschwollenen, roten Fuß, und wir unterhielten uns über dies und das. Die Aircast-Schiene lag griffbereit daneben. Es fühlte sich alles so… normal an. Aber genau das war das Problem.
Das nächste Puzzleteil: Die Kompressionsstrümpfe
Nach der Therapie hatte ich noch einen weiteren Termin auf dem Zettel: Ich konnte endlich meine maßangefertigten Kompressionsstrümpfe im Sanitätshaus abholen. Mein Hausarzt hatte mir das Rezept in der Vorwoche ausgestellt, in der Hoffnung, dass der konstante Druck die hartnäckige Schwellung endlich in die Knie zwingt.
Da stand ich nun im Sanitätshaus, nahm die Strümpfe entgegen und dachte: „Jetzt habe ich wirklich alles. Die Schiene für die Stabilität, die Lymphdrainage für den Abfluss und jetzt die Strümpfe für den Druck.“ In meinem Kopf war ich bestens versorgt. Ich fühlte mich wie ein Musterschüler der Orthopädie.
Die gefährliche Ruhe
Trotz all dieser Maßnahmen passierte eigentlich nichts. Der Fuß blieb dick, die Rötung verschwand nicht. Ich beruhigte mich selbst mit dem Gedanken: „Sowas dauert bei Diabetes eben länger. Man muss Geduld haben.“ Ich wusste nicht, dass ich gerade die letzten Stunden im dreistelligen Bereich verbrachte. Ab morgen waren es noch genau 99 Tage, bis mein Kartenhaus aus Fehldiagnosen und falscher Sicherheit endgültig zusammenbrechen sollte. Ich hatte zwar jetzt die Strümpfe, aber das eigentliche Problem – der zerfallende Knochen – wurde durch den Druck von außen eher noch versteckt als geheilt.