Tag -62
Ausgetretene Pfade sind die sichersten, aber es herrscht viel Verkehr.
Donnerstag, 27.11.2025: Alltag in der Warteschleife – Zwischen Lymphdrainage und Podologie
Mein Terminkalender ist inzwischen fest getaktet. Zweimal pro Woche liege ich bei der Lymphdrainage, in der Hoffnung, dass der Druck aus meinem Gewebe schwindet. Und heute stand zusätzlich wieder ein Termin bei der medizinischen Fußpflege an.
Es ist eine seltsame Routine eingekehrt. Ich ziehe im Behandlungsraum den Kompressionsstrumpf aus, und da liegt er: Mein linker Fuß. Immer noch deutlich geschwollen, immer noch rot verfärbt. Ein Anblick, der eigentlich nach Antworten schreit.
Das große Schweigen
Doch in der Praxis meiner Podologin herrscht Schweigen zu diesem Thema. Es gab keine weiteren Gespräche über die Schwellung, keine neuen Einschätzungen, keine besorgten Nachfragen. Wir haben uns einfach auf die normale Pflege konzentriert. Inzwischen ist das „Abwarten“ zu einer Art stillschweigendem Abkommen geworden.
Ich saß da und dachte mir: „Alle wissen Bescheid, alle sehen den Fuß – also wird es wohl normal sein, dass es so lange dauert.“ !Gefährliche Geduld! Der Plan lautete schlicht: Warten, bis die Schwellung irgendwann von alleine weggeht. Niemand ahnte, dass dieses Warten mein größter Feind war. Während wir uns auf die oberflächliche Pflege konzentrierten, arbeitete sich der Prozess tief in den Knochen vor.
An diesem 27. November waren es noch genau 62 Tage bis zum großen Knall. Zwei Monate, in denen ich mich wie ein Musterschüler der Therapie fühlte, während mein Kartenhaus aus Sicherheit und Geduld bereits die ersten Risse bekam, die unter der Schwellung nur niemand sehen wollte.
💭 Ein Gedanke im Rückblick: Das „Pflege-Paradoxon“
Es ist rückblickend fast schon absurd: Mein Fuß wurde professionell gepflegt, die Nägel wurden geschnitten, die Haut versorgt – während nur Millimeter unter der Oberfläche die Knochenstruktur wegbrach.
Wir haben die Fassade instand gehalten, während das Fundament bereits einstürzte. Hätte damals nur ein einziger Beteiligter – ob Arzt oder Therapeut – einmal kurz innegehalten und gesagt: ‚Moment mal, das ist nicht mehr normal!‘, wäre mir vielleicht viel erspart geblieben. Stattdessen haben wir ‚gepflegt‘ und ‚abgewartet‘. Wir haben die Zeit mit Routine gefüllt, während die Zeit eigentlich gegen mich arbeitete.