Reise

Tag 43

Mittwoch, 11.03.2026: Der Pflegedienst ist da – Hilfe, die keine Hilfe ist

Nach langem Warten auf die Post vom Arzt war es heute endlich so weit: Der Pflegedienst hat seinen Dienst aufgenommen. Vereinbart war ein Zeitfenster zwischen 9:00 und 11:00 Uhr morgens sowie 16:00 und 18:00 Uhr nachmittags.

Der erste Besuch: Formulare statt Wasser

Gegen 9:15 Uhr kam die Pflegekraft. Der Start war professionell: Fotos vom Fuß für die Dokumentation, jede Menge Papierkram und Unterschriften. Ich übergab ihr stolz die korrigierte Verordnung, die gestern endlich im Briefkasten gelandet war. Ich dachte: „Perfekt, ab jetzt wird der Fuß fachgerecht gewaschen und kontrolliert.“

Denkste.

Beim Blick auf die Verordnung kam die Ernüchterung. Da das Wort „Waschen“ nicht explizit auf dem Schein stand, ist es laut Pflegedienst auch keine Leistung, die erbracht werden darf. Das Problem dabei: Orthese und Strümpfe aus- und anziehen kann ich zur Not selbst. Was ich wirklich brauche – die hygienische Reinigung des Fußes, während ich ihn im Rollstuhl bei 0 kg Belastung nicht selbst in ein Becken halten kann – passiert nun weiterhin nicht.

Die Absurdität des Systems

Das Ergebnis dieses bürokratischen Fehlers: Der Pflegedienst kommt nun zweimal am Tag vorbei, nur um mir beim Socken-Anziehen zuzuschauen. Für mich ist das keine Erleichterung, sondern eine Belastung.

Ich schlafe seit der Diagnose ohnehin schon katastrophal schlecht, und jetzt werde ich morgens in meinem Zeitfenster „geweckt“, nur damit jemand eine Orthese berührt, die ich selbst bedienen kann. Es ist ein schlechter Witz: Die Hilfe, die ich brauche, darf nicht stattfinden, und die „Hilfe“, die ich nicht brauche, stört meine ohnehin kostbare Nachtruhe.

Und wieder: Warten auf die Post

Ich habe natürlich sofort wieder die Arztpraxis per E-Mail kontaktiert und um eine erneute Anpassung der Verordnung gebeten. Die Rückmeldung am nächsten Tag war gewohnt unflexibel: Man könne mir das wieder nur per Post schicken. Da ich am nächsten Mittwoch ohnehin einen Termin zur Kontrolle und Krankschreibung habe, haben wir vereinbart, dass ich das Original dann direkt mitnehme. Vorher wird die Post ohnehin nicht da sein.

Fazit: Ich habe jetzt einen Pflegedienst im Haus, der mir nicht das bietet, was ich brauche, mir aber dafür den Schlaf raubt. Man muss im deutschen Gesundheitssystem wirklich Nerven aus Stahl haben.

Einspruch eingelegt: Warum ich die 0-Punkte-Einstufung nicht akzeptiere

Heute habe ich Nägel mit Köpfen gemacht: Mein offizieller Widerspruch gegen die Ablehnung des Pflegegrades ist fertiggestellt und bereits über das Versichertenportal der Krankenkasse hochgeladen.

Ich lasse es nicht auf mir sitzen, dass der Medizinische Dienst meine Situation mit „0,0 Punkten“ bewertet und so tut, als wäre ein Charcot-Fuß in weniger als drei Monaten ausgestanden. Wer mich und diesen Blog verfolgt, weiß, dass die Realität im Rollstuhl bei 0 kg Belastung eine ganz andere Sprache spricht.

Vorschau: Hilfe für andere Betroffene

Da das Thema Widerspruch, Begutachtungskriterien und MDK-Logik extrem komplex ist, habe ich mich dazu entschlossen, dem Ganzen eine eigene Infoseite hier auf dem Blog zu widmen. Ich möchte meine Erfahrungen und die Argumente, die ich gesammelt habe, mit euch teilen, damit ihr im Ernstfall nicht bei Null anfangen müsst.

Sobald der Kopf wieder etwas freier ist und die Bürokratie-Welle abebbt, stelle ich euch das Material zusammen. Jetzt heißt es erst einmal wieder: Abwarten und sehen, wie die Kasse auf die Fakten reagiert.

Eine Antwort schreiben