Tag 13
Montag, 09.02.2026: Zwischen Ohnmacht am Telefon und Empathie in der Praxis
Das ganze Wochenende hing mir die Kälte der Diabetologin noch in den Knochen. Heute war der Montag, an dem sie sich wegen des Vacoped-Stiefels melden wollte. Ich hatte gehofft, dass sie nachgedacht hat. Doch als das Telefon klingelte, wurde mir schnell klar: Hier geht es nicht um meine Heilung, hier geht es nur noch um Absicherung und Abwehr.
Die kalte Schulter: „Nageln Sie mich nicht fest!“
Das Gespräch war eine einzige Katastrophe. Die Ärztin war sofort im Verteidigungsmodus. Die Botschaft: Das Sanitätshaus könne den Vacoped Diabetic nicht liefern. Und damit war das Thema für sie erledigt. Anstatt nach einer Lösung zu suchen, suchte sie nach einer Zuständigkeit: „Dafür ist der Orthopäde zuständig, ich habe damit nichts zu tun.“
Als ich versuchte, auf die Empfehlung des Krankenhauses hinzuweisen, wurde sie laut und fuhr mich regelrecht an: „Nageln Sie mich jetzt nicht auf diesen Vacoped fest! Ich kann da nichts mehr machen.“ Wieder kam das Totschlagargument: Goldstandard sei der TCC (fester Gips). Punkt. Ich legte den Hörer auf und fühlte mich so leer wie lange nicht mehr. Ich stehe in der Mitte, mit einem Knochen, der sich auflöst, und werde wie eine heiße Kartoffel hin- und hergeschoben.
Der Termin bei der Podologin: Endlich sieht jemand das Ausmaß
Völlig zermürbt von diesem Telefonat ging es am Nachmittag zum Podologie-Termin. Wieder war ich auf mein Netzwerk angewiesen; eine Freundin fuhr mich hin und sammelte mich später wieder ein.
Als ich in der Praxis ankam und die Podologin den massiven Rebound Air Walker an meinem Bein sah, blieb sie stehen. „Was ist denn da los?“, fragte sie besorgt. Ich erzählte ihr die ganze Geschichte der letzten Tage – die Diagnose Charcot-Fuß, die Trümmerbrüche, das Chaos mit den Ärzten.
Als ich den Rebound Air Walker abnahm und sie meinen Fuß sah, war sie regelrecht erschrocken. Das war kein klinisch-kalter Blick wie in der Diabetologie. Sie sah den Fuß mit den Augen einer Fachkraft, die weiß, wie gefährlich diese Situation ist. Sie erzählte mir, dass sie bereits einen anderen Patienten mit Charcot-Füßen betreut und daher genau weiß, wie kritisch die Lage ist. Ihr dringender Rat: „Haben Sie sich schon eine Zweitmeinung eingeholt? Bitte, bleiben Sie da dran!“
Ein Funken Menschlichkeit
Es war ein bizarrer Tag. Am Vormittag eine Diabetologin, die mich am Telefon anschreit und keine Verantwortung übernehmen will. Am Nachmittag eine Podologin, die sichtlich mitgenommen von dem Anblick meines Fußes ist und mir ehrlich zur Seite steht.
Dieser Moment in der Podologie war wichtig für mich. Er hat mir gezeigt, dass ich nicht verrückt bin und dass meine Sorge um den Fuß absolut berechtigt ist. Wenn selbst die Fachkraft für medizinische Fußpflege erschrickt, dann weiß ich: Ich muss weiterkämpfen, egal wie sehr die Ärzte blocken.