Reise

Tag 9

Donnerstag, 05.02.2026: Die Fachleute schalten auf stur – Ein Termin ohne Einsicht

Nach dem Gespräch beim Hausarzt dachte ich, es könnte nicht schlimmer werden. Doch heute stand der Termin in der Diabetologie an. Zwei Tage lang hatte ich gegrübelt: Warum wurde mein Fuß in einer Praxis, die sogar eine eigene Fußambulanz hat, monatlich übersehen? Warum reichte mein Humpeln und die deutliche Rötung nicht aus, um die Alarmglocken schrillen zu lassen?

Ich hatte mich akribisch vorbereitet. Als die Ärztin meinen Fuß im Rebound Air Walker sah und fragte, was passiert sei, antwortete ich nur: „Das ist ein Charcot-Fuß. Und wir müssen reden.“

Mein Fragenkatalog: Die Suche nach Verantwortung

Ich konfrontierte sie direkt mit den Fakten, auf die ich eine Antwort verdient hatte:

  1. Die Fehldiagnose: Warum gab es im November kein MRT-Verdacht, obwohl Schwellung und Hitze bei Diabetikern klassische Warnsignale sind? Hätte man die Trümmerbrüche verhindern können?
  2. Mangelnde Aufklärung: Warum wurde ich als langjähriger Patient nie über das Charcot-Risiko sensibilisiert?
  3. Dokumentation: Warum wurde ich einfach heimgeschickt, statt eine radiologische Abklärung zu vermerken? Warum musste ich erst selbst in die Notaufnahme gehen, um die Diagnose zu erhalten, während ich hier in „fachärztlicher“ Behandlung war?

Die Mauer aus Rechtfertigungen

Das Gespräch verlief erschütternd. Keine Entschuldigung, kein Mitgefühl. Stattdessen reine Abwehr:

  • Bei meinem „gut eingestellten Diabetes“ hätte man das nicht vermutet.
  • Die Krankheit hätte sich ohnehin nicht aufhalten lassen (eine medizinisch sehr gewagte Aussage!).
  • Die Laborwerte seien zwar da gewesen, aber angeblich „nicht alarmierend“.

Sie wirkte felsenfest davon überzeugt, alles richtig gemacht zu haben. Es war eine Mauer aus Arroganz und Schroffheit.

Der Kampf um die richtige Versorgung

Immerhin: Den Rollstuhl, den mir der Orthopäde verweigert hatte (weil ich ja angeblich mit Krücken und 0kg Belastung alles erledigen könne – ein Ding der Unmöglichkeit!), verordnete sie mir schließlich.

Dann kam das Thema Versorgung. Ich erklärte ihr, dass der aktuelle Rebound Air Walker für einen Charcot-Fuß ungeeignet sei und ich den vom Krankenhaus empfohlenen Vacoped Diabetic Stiefel brauche. Sie blockte ab und beharrte auf dem „Goldstandard“: Ein Total Contact Cast (TCC) für mindestens 6 Monate – ein fester Gipsverband, der den Fuß komplett umschließt. Als ich fragte, wie man darunter Wunden kontrollieren solle, tat sie das als „kleineres Übel“ ab.

Ich blieb hartnäckig. Ich will die Kontrolle über meinen Fuß behalten. Ich will sehen, was darunter passiert. Am Ende versprach sie, mit dem Sanitätshaus zu telefonieren und mich am Montag zu informieren.

Fazit: Ein tiefer Schlag in die Magengrube

Ich verließ die Praxis mit einem miserablen Gefühl. Die Menschen, denen ich meine Gesundheit anvertraut habe, begegneten mir mit einer Kälte, die mich fassungslos macht. In einer Fachpraxis für Diabetologie nicht ernst genommen zu werden, wenn der Fuß buchstäblich zerfällt, ist eine bittere Pille.

Eine Antwort schreiben