Reise

Tag 34

Montag, 02.03.2026: Zwischen Reklamation und Systemversagen: Wenn das Handwerk rätselt und die Kasse mauert.

Der März beginnt, wie der Februar endete: mit einem Mix aus technischer Ernüchterung und bürokratischem Wahnsinn. Inmitten von Rollstuhl-Alltag und Nullbelastung zeigt sich jetzt immer deutlicher, dass man als Charcot-Patient nicht nur gegen die Krankheit, sondern gegen ein ganzes System kämpft.

1. Die 3.800-Euro-Maßarbeit in der Warteschleife

Nachdem mein Fuß in der neuen Zwei-Schalen-Orthesen am Wochenende massiv angeschwollen war, suchte ich am Montag sofort den Kontakt zum Sanitätshaus. Der Techniker reagierte per WhatsApp-Rückruf sichtlich verwundert – eigentlich sollte diese „High-End-Lösung“ das exakte Gegenteil bewirken. Wir haben für morgen einen Termin zur Begutachtung vor Ort vereinbart. Bis dahin steht die teure Maßanfertigung in der Ecke, und ich verlasse mich wieder auf meinen bewährten Vacoped-Stiefel.

2. Die Akte „Behandlungsfehler“ nimmt Form an

Das große Warten auf Krankenkasse und MD nutze ich produktiv: Ich bereite akribisch das medizinische Gutachten wegen des Verdachts auf Behandlungsfehler vor. Jedes MRT, jeder Arztbrief und jedes Foto vom geschwollenen Fuß wird sortiert. Wenn man gegen dieses System antritt, muss die Beweiskette lückenlos sein. Ich bin nicht mehr bereit, Fehlentscheidungen auf Kosten meiner Gesundheit hinzunehmen.

3. Projekt Pflegedienst: Die nächste Hürde

Seit dem 19.02. habe ich die Verordnung für häusliche Krankenpflege in der Tasche. Mein Ziel ist simpel: Hilfe beim fachgerechten Waschen und Begutachten des Fußes – Aufgaben, die im Rollstuhl bei strikter Nullbelastung fast unmöglich sind. Doch schon jetzt zeichnen sich Probleme ab. Aus der Perspektive meiner heutigen Aufarbeitung im April weiß ich: Diese Episode wird kurz und problematisch. Die Baustellen nehmen kein Ende.

4. Der Schlag ins Gesicht: 0,0 Punkte vom MD

Heute kam dann der absolute Tiefpunkt: Die Post vom Medizinischen Dienst. Das Ergebnis der Begutachtung? 0,0 Punkte.

Die Begründung ist an Absurdität nicht zu überbieten: Der MD behauptet einfach, meine Beeinträchtigung würde keine drei Monate anhalten. Mit dieser medizinisch völlig haltlosen Prognose wurde das komplette Mobilitätsmodul gestrichen. Die Realität spielt keine Rolle:

  • Rollstuhl-Zwang? Egal.
  • Unfähigkeit zu kochen oder einzukaufen? Uninteressant.
  • Hilflosigkeit beim Duschen? Wird ignoriert.

Anscheinend glaubt der MD an Wunderheilungen, während jeder Facharzt von einer monatelangen Odysee spricht.

Das Fazit: Jetzt erst recht!

Ich bin fassungslos über diesen Realitätsverlust. Man wird behandelt wie ein Bittsteller, der sich seine Notlage nur ausdenkt. Aber eines ist sicher: Ich lege offiziell Widerspruch ein. Ich werde nicht akzeptieren, dass ein Gutachter die Biologie eines Charcot-Fußes ignoriert, nur um Kosten zu sparen. Der Kampf geht in die nächste Runde.

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