Reise

Tag 10

Der bürokratische Abgrund: Wenn Hilfe zum Wartenummer-Spiel wird

Heute habe ich den Antrag auf Pflegeleistungen gestellt, so wie es mir mein Arzt geraten hat. Aber je tiefer ich in dieses Thema eintauche, desto fassungsloser macht mich die Logik unseres Pflegesystems.

Die Sackgasse „Haushaltshilfe“

Die Haushaltshilfe, die ich für den akuten Fall beantragt habe, ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Sie hilft mir genau einen Monat. Danach? Fällt sie weg.

Hier prallen Theorie und Praxis knallhart aufeinander: Ein Charcot-Fuß braucht nicht vier Wochen, sondern viele Monate – oft Jahre –, bis eine vermeintliche „Heilung“ oder zumindest Stabilität eintritt. Die Krankenkassen scheinen sich das alles so einfach vorzustellen: Einmal kurz den Fuß hochlegen und nach vier Wochen ist alles wieder beim Alten. Dass ich mit 0 kg Belastung nicht einmal einen Kaffeepott unfallfrei von A nach B transportieren kann, scheint in keinem Formular vorgesehen zu sein.

Die finanzielle Warteschleife

Und dann ist da noch die Zeitkomponente. Bis nach dem Antrag auf Pflegeleistungen überhaupt ein Gutachter des MD vor der Tür steht, vergehen Wochen. Bis dann ein Bescheid kommt und ein Pflegegrad tatsächlich bewilligt wird, zieht noch mehr Zeit ins Land.

In dieser Zwischenzeit stehe ich vor der Wahl:

  • Entweder ich versuche, irgendwie alleine zu überleben (was bei 0 kg Belastung gefährlich ist),
  • oder ich zahle Haushaltshilfen und Pflegedienste komplett aus eigener Tasche.

Es ist ein hinkender Vergleich: Man ist körperlich bereits am Ende, soll aber gleichzeitig die Energie eines Verwaltungsfachwirts aufbringen, um nicht durch das soziale Netz zu fallen. Die psychische Belastung, nicht zu wissen, wie die Grundversorgung in fünf Wochen aussieht, ist fast so schwer zu ertragen wie die Schmerzen im Fuß.

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