Tag 31
Das Sein ist nicht so, wie es zu sein scheint.
Freitag, 27.02.2026: Die „Rüstung“ ist da – Einzug der Zwei-Schalen-Orthese
Heute sollte der große Tag der Endversorgung sein. Der Techniker kam vorbei, um mir das Herzstück meiner weiteren Behandlung zu bringen: die Zwei-Schalen-Orthese.
Der Anspruch: Das Beste nach dem Gips
Zur Erinnerung: Diese Orthese gilt medizinisch als der absolute Standard direkt hinter dem „Goldstandard“, dem Total Contact Cast (TCC). Das Prinzip ist technisch faszinierend: Da der Fuß weiterhin mit 0 kg belastet werden darf, ist die Orthese so konstruiert, dass sie den Druck vom Fuß wegnimmt und ihn stattdessen über das obere Sprunggelenk (OSG), die Wade und das Schienbein ableitet. Quasi ein Exoskelett für mein Bein.
Der erste Eindruck: Schlank und passgenau
Die Anprobe verlief vielversprechend. Die Orthese saß fest, war maßgefertigt und wirkte im Vergleich zum massiven Vacoped Diabetic Stiefel fast schon filigran. Sie war deutlich schmaler und kleiner, was bei mir sofort für Kopfkino sorgte:
- „Endlich passt der Duschschutz-Überzug wieder ohne Kampf über das Bein!“
- „Endlich sehe ich nicht mehr aus, als würde ich einen Astronautenstiefel tragen!“
Ich war fest davon überzeugt: Das hier wird mein ständiger Begleiter bis zur ersten großen MRT-Nachkontrolle am 05.05. sein.
Der Schein trügt
Ich bewunderte die Handwerkskunst und dachte, ich hätte den Gipfel der Versorgung erreicht. Doch wie so oft bei dieser Erkrankung kam alles anders. Dass ich diese 3.800-Euro-Maßanfertigung heute eigentlich nur noch als luxuriöses „Dusch-Accessoire“ benutze und schon kurz darauf reumütig zum Vacoped-Stiefel zurückgekehrt bin, hat Gründe, die ich in den nächsten Tagen ausführlich erklären werde.
Nur so viel vorab: Theorie (Maßarbeit) und Praxis (Gefühl am Fuß) sind zwei völlig verschiedene Welten.