Reise

Tag 33

Sonntag, 01.03.2026: Die 3.800-Euro-Enttäuschung und die Stille der „besten“ Freunde

Die letzten zwei Tage habe ich meine neue „Rüstung“, die maßgefertigte Zwei-Schalen-Orthese, pflichtbewusst getragen. Ich wollte, dass es funktioniert. Ich wollte diese High-End-Versorgung als meinen neuen Standard akzeptieren. Doch die Realität an meinem Fuß sprach eine andere Sprache.

Das Experiment scheitert

Ich wechsle grundsätzlich morgens und abends meine Socken, wasche den Fuß einmal am Tag und mache dabei immer Fotos vom Zustand meines Fußes – eine Routine, die ich jedem Charcot-Patienten nur dringend ans Herz legen kann. Schon am Samstagabend sah ich auf den Bildern: Der Fuß wird dicker.

Heute am Sonntag war die Schwellung so heftig, dass ich die Reißleine ziehen musste. Die teure Maßanfertigung macht einfach nicht das, was sie soll. Sie stabilisiert zwar, aber sie scheint den Lymphfluss oder die Durchblutung so zu stören, dass der Fuß regelrecht „aufgeht“. Ich bin heute konsequent auf den Vacoped Diabetic zurückgewechselt. Das Vakuum-Kissen des Stiefels ist einfach unschlagbar, wenn es darum geht, Schwellungen zu kontrollieren. Am Montag werde ich das Sanitätshaus kontaktieren – so kann es mit der Orthese nicht weitergehen.

Wenn die Krise die Freundschaft sortiert

Das Wochenende hatte aber auch eine menschliche Seite. Gestern Abend hatte ich einen wunderschönen Spieleabend mit lieben Freunden, die mich besucht haben. Seit der Diagnose erfahre ich von vielen Bekannten und Freunden eine unglaubliche Unterstützung. Sie kommen vorbei, bringen Leben in meine Bude und lenken mich ab.

Doch wo viel Licht ist, ist leider auch Schatten. Ausgerechnet von den Menschen, die ich als meine „besten“ Freunde bezeichnet hätte, herrscht Funkstille. Beide hatten per WhatsApp gefragt, was los sei. Als ich ihnen ehrlich antwortete, wie komplex dieser Mittelfußbruch ist und dass das nicht „mal eben in sechs Wochen“ erledigt ist, kam lediglich ein ernüchterndes „Gute Besserung“. Mehr nicht.

Es ist eine bittere Erkenntnis: Eine schwere Krankheit ist wie ein Sieb. Die flüchtigen Bekannten fallen oft durch, aber manchmal sind es eben auch die engsten Vertrauten, die mit der Langwierigkeit und der Schwere der Situation nicht umgehen können – oder wollen. Das hatte ich mir anders vorgestellt. In einer Zeit, in der man immobil ist und die Decke einem auf den Kopf fällt, wiegt dieses Schweigen schwerer als jeder Gipsfuß.

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