Tag 7
Vertrauen wird dadurch erschöpft, dass es in Anspruch genommen wird.
Dienstag, 03.02.2026: Die Konfrontation – Wenn das Vertrauen auf dem Prüfstand steht
Heute war mein DMP-Termin beim Hausarzt zur Besprechung der aktuellen Laborwerte. Doch die Blutwerte waren heute Nebensache. Eine Freundin fuhr mich zur Praxis und holte mich später wieder ab – ein kleiner Dienst, der in meiner neuen Unselbstständigkeit plötzlich lebenswichtig ist.
Ich betrat das Sprechzimmer mit einer brennenden Frage im Kopf: Wie konnte das passieren?
Das Gespräch über das Versagen
Ich habe meinen Arzt heute ganz direkt und sachlich mit den Fehlern der letzten Monate konfrontiert. Ich wollte Antworten:
- Warum hat er die Warnsignale nicht kommen sehen?
- Warum hat er mich noch vor wenigen Tagen für „uneingeschränkt reisefähig“ erklärt?
- Warum hat er im Oktober nicht selbst auf ein zweites, tiefergehendes MRT bestanden, als die Schwellung nicht zurückging?
Seine Reaktion war eine Mischung aus Ratlosigkeit und Rechtfertigung. Er verstehe selbst nicht, warum man den Prozess im Oktober-MRT nicht gesehen habe. Seine Theorie: Ein MRT fertigt immer sogenannte „Localizer-Bilder“ an, damit der Radiologe das Gelenk überhaupt findet. Diese Bilder seien oft nur auf der CD und nicht in der Online-Ansicht verfügbar – dort hätte man den Mittelfuß vielleicht schon sehen können.
Auch auf die massiv erhöhten Laborwerte vom Oktober (AP und BSG) hatte er keine plausible Antwort. Sein einziges Argument: Das MRT im Oktober war unauffällig, also sei man eben von einem Lymphödem ausgegangen.
Die rechtliche Konsequenz
Er hat sich mehrfach entschuldigt. Er betonte, dass er das alles nicht wollte und mir niemals schaden wollte. Ich habe ihm daraufhin ruhig erklärt, dass ich die möglichen Behandlungsfehler durch einen Anwalt und ein Gutachten prüfen lassen werde.
Die Stimmung im Raum änderte sich sofort. Er teilte mir mit, dass er nun seine Versicherung informieren müsse. Dennoch fragte er direkt: „Besteht unser Vertrauensverhältnis trotz dieser Prüfung noch weiter?“ Ich bejahte das. Es geht mir nicht um eine persönliche Fehde, sondern um die Klärung einer medizinischen Fehlleistung, die mich meine Mobilität und fast meinen Fuß gekostet hätte.
Die harten Fakten: Stornokosten & Gefühle
Ich legte ihm auch die Stornokosten für meinen Asien-Urlaub vor – die Reise, die er noch vor kurzem abgesegnet hatte. Wie zu erwarten war, wollte er diese nicht übernehmen.
Ich verließ die Praxis mit einem schweren, unzufriedenen Gefühl. Entschuldigungen sind gut, aber sie machen meinen Knochen nicht wieder ganz. Sie bringen mir die verlorene Zeit nicht zurück und sie zahlen nicht die Rechnungen, die durch seine Fehlprognose entstanden sind.
Der Weg zur Gerechtigkeit hat heute begonnen, aber er fühlt sich genauso steinig an wie der Weg zur Heilung.
